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Berufsmaturität 2026: Alle Änderungen im Überblick

9 min
Sarah Keller

BM-Revision 2026: Englisch Pflichtfach, BM 1/BM 2-Wechsel, Blended Learning, IDPA-Vertiefung. Stand Mai 2026, klar erklärt.

Berufsmaturität 2026: Alle Änderungen im Überblick

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Stand Mai 2026 — von Sarah Keller, Redaktion checkeverything.ch.

Am 1. März 2026 tritt die totalrevidierte Berufsmaturitätsverordnung in Kraft — verabschiedet vom Bundesrat am 13. Juni 2025. Gleichzeitig erliess das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) den überarbeiteten Rahmenlehrplan. Die wichtigsten Neuerungen: Englisch wird Pflichtfach, wer BM 1 nicht besteht kann neu direkt zur BM 2 wechseln, und Blended Learning hält offiziell Einzug. Laut Bundesamt für Statistik (BFS) erwerben jährlich rund 13'500 Lernende die Berufsmaturität — etwa 13 Prozent eines Lehrabschluss-Jahrgangs.


Das Wichtigste in Kürze

Schnellorientierung: BM Revision 2026

  • In Kraft: 1. März 2026 (Verordnung verabschiedet 13. Juni 2025)
  • Englisch: Verbindlich als dritte Sprache für alle 5 Ausrichtungen
  • BM1 nicht bestanden? Neu direkter Wechsel zu BM2 möglich
  • Blended Learning: Digitale/hybride Lernformate offiziell anerkannt
  • IDPA: Vertiefungsdiskussion als neues Prüfungselement
  • Abschlussprüfungen: Kantonal/interkantonal vereinheitlicht
  • Wer schon in der BM ist: Schliesst nach altem System ab

Die wichtigsten Änderungen im Überblick

BereichBisherAb 1. März 2026
EnglischJe nach Ausrichtung optionalPflichtfach für alle Ausrichtungen
BM1 nicht bestandenKein direkter Wechsel zu BM2Direkter Einstieg in BM2 möglich
Semesterpromotionen BM2Nicht vorgesehenProvisorische Promotion neu möglich
Blended LearningNicht offiziell anerkanntIn Rahmenlehrplan verankert
IDPA-AbschlussPräsentationPräsentation + Vertiefungsdiskussion
AbschlussprüfungenKantonal unterschiedlichKantonal/interkantonal vereinheitlicht
ZulassungsgesuchePapierbasiertAusschliesslich digital (ab März 2026)

BM 1 vs. BM 2: Der Unterschied — und was sich 2026 ändert

Viele verwechseln BM 1 und BM 2, dabei sind die Unterschiede erheblich.

MerkmalBM 1BM 2
ZeitpunktWährend der BerufslehreNach der Berufslehre
FormBegleitend zur LehreVollzeit oder berufsbegleitend
Dauer2–4 Jahre (je Ausrichtung)1–2 Jahre
Kosten öffentlichIn der Regel kostenlosCHF 0–3'000/Jahr (kantonal)
Kosten privatMeist günstigerCHF 5'000–15'000/Jahr
Neu ab 2026Direkter Einstieg bei BM1-Nichtbestehen + provisorische Semesterpromotion

Die neue Regel ist für viele Lernende eine echte Erleichterung: Wer die BM 1 nicht schafft, muss den Bildungsweg nicht abbrechen, sondern kann nach der Lehre direkt in die BM 2 einsteigen. Der Fachhochschulweg bleibt offen.


Englisch wird Pflichtfach — was konkret gilt

Ab dem Schuljahr 2026/27 führen alle fünf Ausrichtungen Englisch als verbindliche dritte Sprache. Die zwei Landessprachen (je nach Schulstandort Deutsch oder Französisch als Erstsprache, die andere als Zweitsprache) bleiben Pflicht; Englisch kommt dazu.

Die fünf Ausrichtungen

AusrichtungEnglisch-Status ab 2026Typische FH-Studiengänge
Technik, Architektur, Life SciencesNeu PflichtIngenieurwesen, Architektur
Natur, Landschaft, LebensmittelNeu PflichtAgronomie, Lebensmitteltechnologie
Wirtschaft und DienstleistungenWar schon Pflicht — verstärktBetriebsökonomie, Wirtschaftsrecht
Gestaltung und KunstNeu PflichtDesign, Mediengestaltung
Gesundheit und SozialesNeu PflichtPflege FH, Soziale Arbeit

Mindestens 240 Lektionen Englisch sind über die gesamte BM-Ausbildung vorgesehen — je nach Schule können es mehr sein.


Blended Learning: Was offiziell anerkannt wird

Eine weniger beachtete, aber praktisch bedeutsame Neuerung: Der Rahmenlehrplan 2026 enthält erstmals Leitlinien für Blended Learning. Der Begriff "BM-Lektionen" wird so definiert, dass er digitale und hybride Lernformate einschliesst. Schulen können künftig einen Teil des Unterrichts online oder in gemischter Form anbieten — und das zählt offiziell zur Lektionenzahl.

Was das für Lernende bedeutet:

  • Mehr Flexibilität bei Berufsbegleitenden Modellen
  • Digitale Selbstlernphasen können auf Präsenzzeit angerechnet werden
  • Qualität bleibt durch kantonale Validierung gesichert

Interdisziplinäre Projektarbeit (IDPA) 2026

Die IDPA bleibt zentrales Prüfungselement der Berufsmaturität. Neu kommt zur Präsentation eine Vertiefungsdiskussion hinzu — Lernende müssen ihre Arbeit nicht nur vorstellen, sondern auch vertiefte Fragen dazu beantworten.

Was sonst gilt:

  • Mindestens zwei Fachbereiche müssen verknüpft werden
  • Praxisbezug ist ausdrücklich erwünscht
  • Digitale Tools sollen wo sinnvoll eingesetzt werden

Abschlussprüfungen: Mehr Einheitlichkeit

Bisher wurden schriftliche Abschlussprüfungen kantonal unterschiedlich gestaltet. Ab 2026 müssen sie kantonal oder interkantonal einheitlich vorbereitet und validiert werden. Das erhöht die Vergleichbarkeit und erleichtert interkantonale Anerkennung.


Übergangsregelungen: Wer ist betroffen?

SituationGeltende Regelung
BM-Beginn vor März 2026Abschluss nach altem System
BM-Beginn ab März 2026Neues System mit Englisch-Pflicht
WiederholungsprüfungenNach ursprünglichem System
BM 2 ab Schuljahr 2026/27Neues System
Kantonale Anerkennung BildungsgängeGesuche bis 1. März 2027 einzureichen

Kosten der Berufsmaturität

BM 1 (während der Lehre)

  • Öffentliche Schulen: In der Regel kostenlos
  • Lehrmittel: Ca. CHF 500–1'000

BM 2 (nach der Lehre)

  • Öffentliche Schulen: Je nach Kanton CHF 0–3'000 pro Jahr
  • Private Schulen: CHF 5'000–15'000 pro Jahr

Finanzierung

Bei knappen Mitteln lohnt sich der Blick auf:

  • Stipendien (kantonal unterschiedlich — prüfen Sie das Stipendienportal Ihres Kantons)
  • Arbeitgeberbeiträge (besonders bei berufsbegleitender BM 2)
  • Bildungsdarlehen (z.B. über kantonale Förderinstitutionen)

Einen Überblick über Sparoptionen gibt auch der Sparkonten-Vergleich auf Checkeverything.ch.


Tipps zur Vorbereitung

Englisch frühzeitig aufbauen

Wer Englisch bisher wenig genutzt hat, sollte schon während der Lehre beginnen:

  • Kurse an der Berufsfachschule oder privat
  • Online-Angebote (kostenlos über kantonale Bibliotheken, z.B. Overdrive)
  • Englischsprachige Fachinhalte lesen — passt zum jeweiligen Berufsfeld

Digitale Grundkenntnisse sichern

Der Rahmenlehrplan verlangt digitale Kompetenz fachübergreifend:

  • Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationstools
  • Je nach Ausrichtung: Statistiksoftware, CAD-Grundlagen, ERP-Systeme
  • Datenkompetenz: Daten auswerten, Quellen bewerten

IDPA früh strukturieren

Die Vertiefungsdiskussion als neues Element erfordert mehr inhaltliche Tiefe. Wer die Arbeit früh plant und mit Lehrpersonen bespricht, was "vertiefte Fragen" bedeuten könnte, ist klar im Vorteil.


Gehaltsperspektiven nach der BM

Die Berufsmaturität öffnet den Weg zur Fachhochschule — das hat direkte Auswirkungen auf das spätere Einkommen. Laut Medianlohn Schweiz 2026 verdienen FH-Absolventinnen und -Absolventen im Schnitt deutlich mehr als Berufsleute ohne Tertiärabschluss. Der Bildungsinvestition steht also ein messbarer Gehaltsunterschied gegenüber.


Glossar

| Begriff | Bedeutung | |---|---| | BM / Berufsmaturität | Eidgenössischer Abschluss, der zur FH berechtigt | | BM 1 | BM während der beruflichen Grundbildung (Lehre) | | BM 2 | BM nach der beruflichen Grundbildung | | IDPA | Interdisziplinäre Projektarbeit — fächerübergreifende Abschlussarbeit | | Rahmenlehrplan (RLP) | Vom SBFI erlassener Lehrplan für alle BM-Schulen | | SBFI | Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation | | Blended Learning | Kombination von Präsenz- und digitalem Unterricht | | Vertiefungsdiskussion | Neues IDPA-Prüfungselement: vertiefte Fragen zur Arbeit | | Verbundpartner | Bund, Kantone, Organisationen der Arbeitswelt |


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FAQ

Wann tritt die neue Berufsmaturitätsverordnung in Kraft?

Die revidierte Verordnung ist am 1. März 2026 in Kraft getreten. Verabschiedet wurde sie vom Bundesrat am 13. Juni 2025, gleichzeitig mit dem überarbeiteten Rahmenlehrplan durch das SBFI.

Muss ich Englisch nachholen, wenn ich schon in der BM bin?

Nein. Wer vor dem 1. März 2026 mit der BM begonnen hat, schliesst nach dem alten Reglement ab. Die Englisch-Pflicht gilt nur für Lernende, die ab März 2026 (BM 1) bzw. ab Schuljahr 2026/27 (BM 2) starten.

Was passiert, wenn ich die BM 1 nicht bestehe?

Ab 2026 können Sie direkt in die BM 2 einsteigen, wenn Sie die BM 1 nicht bestanden haben. Provisorische Semesterpromotionen sind in der BM 2 neu ebenfalls möglich. Damit bleibt der Weg zur Fachhochschule offen.

Welche Ausrichtungen gibt es und ändert sich die Anzahl?

Die fünf Ausrichtungen bleiben unverändert bestehen: Technik/Architektur/Life Sciences, Natur/Landschaft/Lebensmittel, Wirtschaft und Dienstleistungen, Gestaltung und Kunst, Gesundheit und Soziales. Sie wurden inhaltlich überarbeitet, aber nicht fusioniert oder neu geschaffen.

Was genau ist Blended Learning in der BM 2026?

Der Rahmenlehrplan definiert, dass BM-Lektionen künftig auch digitale und hybride Lernformate einschliessen können. Schulen können also einen Teil des Unterrichts online anbieten — das wird offiziell zur Lektionenzahl gezählt. Lernende profitieren von mehr Flexibilität, besonders bei berufsbegleitenden Modellen.

Kann ich ohne Berufsmaturität an die Fachhochschule?

Die Berufsmaturität ist der Regelweg. Alternativen bestehen: Aufnahmeprüfungen (kantonal), Sur-Dossier-Aufnahme (selten, bei besonderer Berufserfahrung) und die Passerelle für den Wechsel zur universitären Hochschule. Verbindliche Auskunft gibt die jeweilige Fachhochschule oder das SBFI.

Was kostet die BM 2 an öffentlichen Schulen?

An öffentlichen BM 2-Schulen variieren die Kosten je nach Kanton zwischen CHF 0 und CHF 3'000 pro Jahr. Private Anbieter verlangen CHF 5'000–15'000 pro Jahr. Stipendien und Arbeitgeberbeiträge sind möglich — prüfen Sie das Stipendienportal Ihres Kantons.


Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde am 4. Mai 2026 aktualisiert und stützt sich auf offizielle Quellen des SBFI sowie des Bundesrats. Änderungen durch kantonale Umsetzungen sind möglich.

Rechtlicher Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen ausschliesslich zu Informationszwecken und ersetzen keine Bildungs- oder Rechtsberatung. Verbindliche Auskünfte zur Berufsmaturität erhalten Sie beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) unter sbfi.admin.ch oder bei Ihrer Berufsfachschule.

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